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  Die Sage von der Blutlinde  
 

Als Graf Otto von Schaumburg fern von seiner Burg in Gefangenschaft schmachtete, klagte ein böser Knappe ein junges Mädchen der Zauberei an. Da hielt der Vogt des Grafen Gerichtstag ab. Eine große Menschenmenge aus den umliegenden Dörfern hatte sich eingefunden, um den Urteilsspruch zu vernehmen. Das Mädchen wurde vor den Richter geführt. Mit ergreifenden Worten beteuerte es seine Unschuld. Nun wurde es in den Hexenturm geworfen und gefoltert. Aber auch die schrecklichen Folterqualen vermochten kein anderes Bekenntnis aus ihm herauszubringen.
Da gab der Richter bekannt, dass ein Gottesurteil die Schuld oder Unschuld an den Tag bringen sollte. In der Nacht vor dem Gottesurteil brach ein starker Sturm los, der die alte Linde vor dem Burgtore umstürzte. Als die Gefangene am anderen Morgen durch das Burgtor geführt wurde, brach sie hastig ein Reis von dem gestürzten Lindenbaume, steckte es in die Erde und rief: „So gewiss dies Reis grünen und wachsen wird, so war bin ich unschuldig."
Dann hob man sie schnell in einen Wagen und brachte sie zur Arensburg. Dort in den Hexenteichen sollte das Gottesurteil entscheiden. Zwei Knechte des Vogts legten dem Mädchen ein Strick um den Leib und stießen es ins Wasser. Schwamm es oben, so war seine Schuld bewiesen, ging es unter, so war es unschuldig. Die Unglückliche sackte sogleich vor den Augen der Zuschauer in die Tiefe. Bestürzt zog man sie, so schnell es ging, heraus. Es war zu spät, das Leben war entwichen. Man hatte eine Unschuldige ermordet.

 
     
     
     
 

Das Lindenreis vor der Schaumburg aber grünte und wurde ein mächtiger Baum. Noch heute lauschen wir dem Flüstern seiner Blätter und dem Rauschen seiner Zweige und gedenken dabei mit Schauder der Zeit finsteren Aberglaubens.

(Quelle: Heimatsagen aus der Grafschaft Schaumburg; Arbeitsausschuss des Kreislehrervereins, Ausgabe 1962; "Heimatbuch Dorf Schaumburg")

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